Das ostfriesische Wattenmeer

Das Watt - ein ganz besonderer Lebensraum !

Der Begriff "Watt" enstammt dem altfriesischen Wort "wad" = seicht, untief; er steht auch für Gebiete, in denen man waten kann. "Die Beständigkeit des Watts ist sein Wandel". Das Zeigt sich am periodischen Wechsel der Gezeiten. Die Gezeiten oder Tiden entstehen durch die Anziehungskraft von Mond und Sonne. Während einer Tide, das sind ca. 12 Stunden und 26 Minuten steigt das Wasser von seinem niedrigsten Stand bis zum Höchsstand und wieder zurück. Das Steigen des Wassers nennt man Flut, das Sinken nennt man Ebbe. Der Höhenunterschied liegt durchschnittlich bei etwa 2,5 m. Bei Ebbe zieht sich das Wasser kilometerweit zurück. Der Bereich, der während der Flut überschwemmt wir und während der Ebbe trocken liegt, wird als Wattenmeer bezeichnet.

Wattflächen bilden sich dort, wo vorgelagerte Inseln, Sandbänke und flach auslaufender Meeresboden die Kraft von Wellen und Strömung abbremsen. Hier können vom Meer und aus den Flüssen herangetragener Sand und Schlick zu Boden sinken. Schwere Bestandteile setzen sich bereits in bewegterem Wasser ab: Es entsteht Sandwatt. Näher zur Küste wird der Boden noch flacher und das Wasser noch ruhiger: es folgt das Mischwatt mit Sand, Ton und organischen Bestandteilen. Direkt vor dem Deich und besonders in ruhigen Buchten bildet sich schließlich feines Schlickwatt mit einem hohen Anteil organischer Substanz.

Das Leben im Watt !
Um in diesem Lebensraum heimisch zu werden, haben Tiere und Pflanzen ganz spezielle Strategien entwickelt.

Die ersten Lebenszeichen auf dem Weg ins Watt lassen sich mit den Füßen ertasten: Bräunlich-glitschig überziehen Mikroalgen den Wattboden. Das sind einzellige Pflanzen, die sich von Mineralstoffen ernähren. Dabei erzeugen sie kleine Sauerstoffbläschen im Wasser. Bei Überflutung können sie sich unter die Wattoberfläche zurückziehen und dort überdauern.

Wären die Algen nicht, gäbe es kein Schlickwatt, denn sie verkitten die Sedimente mit ihrem Schleim. Sie stellen den "Weidegrund" für die nächsten Glieder der Nahrungskette dar. Wir begegnen bandförmigen Spuren, ein Hinweis auf die "Weidegänger"! Breite Bänder ziehen Strandschnecken, schmale die winzigen Wattschnecken, die mit ihren Raspelzungen die Algen regelrecht abgrasen.

Im ruhigen Wasser des Mischwatts fühlen sich die im Boden eingegrabene Platt- und Tellmuschel und die etwa 10 cm lange Sandklaffmuschel wohl; sie saugen die Algen mittels eines langen Saugrohres (Syphon) von der Oberfläche ab - diese Strategie nennt man Pipettieren.

Eine Etage darunter, in ca. 30 cm Tiefe, leben die "Sandfresser". Der Wattwurm lebt in einer U-förmigen Röhre; an einem Ende frißt er die Sedimente in sich hinein, verdaut die darin enthaltenen Nährstoffe und "entsorgt" den Sand am anderen Ende; an der Oberfäche erkennen wir die Röhrenenden als Trichter bzw. als Kothäufchen, die wie Spaghetti aussehen.
Ganz kunstvolle Wohnbauten klebt sich der Bäumchenröhrenwurm aus Sandkörnern und Muschelstückchen zusammen. Wir sehen davon die aus dem Boden ragenden Bäumchenkronen, durch die de Wurm seine Tentakel zum Nahrungsfang steckt.

Als Filtrierer leben Herz- und Miesmuscheln. Beide bilden große Kolonien. Herzmuscheln graben sich mit ihrem muskulösen Fuß tief ins Watt; Miesmuscheln siedeln -als einzige Muschelart- auf der Wattoberfläche. Gegen Verdriften durch die Strömung sichern sie sich mit festen Eiweißfäden (Byssusfäden): sie heften sich an Steine, Pfähle oder an die Schalen von Artgenossen und bilden so Muschelbänke. Jede Muschel filtert pro Stunde einen Liter Wasser. Ihre Kiemen halten davbei die Nahrungspartikel zurück - aber auch Schadstoffe. Gut für das Wasser, das so gereinigt wird; schlecht für die Muschel, in deren Körper sich die Giftstoffe anreichern. Ein Grund mehr, unsere Flüsse (die letztlich in Meer münden) und die Meere selbst sauberzuhalten.

Internationale Gäste im Watt !
Auf den Rippelmarken des Watts finden sich auch kleine, zarte Tritte und breite Watschelspuren. Sie stammen von den auffälligsten Nutznießern des Nahrungsreichtums im Watt: das sind die Watt- und Wasservögel. Hier rasten sie und "tanken" Energiereserven, auf ihrem langen Zug zwischen ihren Brutgebieten hoch im Norden und den Überwinterungsgebieten in südlichen Gefilden. Der Knutt legt im Mai, aus Afrika kommend, nach rund 6000 Flugkilometern bei uns eine Pause ein und versorgt sich für den Weiterflug nach Sibirien.

Jede Wattvogelart hat sich durch die Länge und Form des Schnabels auf ihre jeweilige Lieblingsspreise spezialisiert - je nachdem, wie tief die Beute sich unter der Oberfläche verbirgt, ob ein weicher Wurm verspeist wird oder vor dem Genuß eine harte Schale zu knacken ist.
(Text: http://www.wangerooge-online.com/np_index.htm)

Nationalparkhäuser und Wattwanderungen
In Norddeich befindet sich die Seehundaufzucht- und Forschungsstation. Hier werden jährlich zwischen 20 und 80 kranke oder mutterlose Seehunde, Robben und bißweilen auch Kleinwale und Delphine gepflegt. Die Station kann täglich zwischen 10:00 und 17:00 Uhr besichtigt werden. Tel.: 04931 - 8919, Fax: 04931 - 82224
- im Internet: http://www.seehundstation-norddeich.de    -
e-mail: info@seehundstation-norddeich.de

Wattwanderungen
Norderney & Baltrum: Mit Wattführer Siegfried Knittel (staatl. geprüfter Wattführer) - Informationen unter: www.mit-sigi-sicher-durchs-watt.de / Mobil: 0172 - 9 34 45 75 /
E-Mail: info@mit-sigi-sicher-durchs-watt.de

Nach Norderney (von Norddeich) oder Baltrum (von Neßmersiel) werden vom "Wattführer Niko Osterkamp" (staatl. gepr. Wattführer) angeboten. Telefon: 04931 / 14479, Telefax: 04931 - 992455, Mobil-Tel. 0170 - 3826605
- Internet: http://www.watterlebnis.de.   - e-mail: niko@watterlebnis.de