 | | Natalja Parchina (grünes Trikot) zieht die BSV-Deckung auf sich.
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Oldenburgerinnen gehen im Derby unter / O.R. / 23.09.2007
Buxtehude gewinnt 36:25 beim VfL - Lamein überragend
Tristesse bei den Oldenburgern, Riesenfreude bei den Gästen: Mit einem auch in der Höhe völlig überraschenden 36:25 (16:11)-Sieg hat der Buxtehuder SV das Nordderby beim VfL Oldenburg gewonnen und sich selbst sowie den rund 60 Anhängern unter den 680 Zuschauern in der EWE Arena eine tolle Heimfahrt beschert. "Wir haben 50 Minuten den Handball gespielt, der in der Mannschaft steckt", zeigte sich BSV-Trainer Wolfgang Pötzsch begeistert von der Leistung seiner Mannschaft, die in der Endabrechnung auf jeder Position eine bessere Partie als die Spielerinnen des VfL ablieferten. Die Mannschaft, bei der die im Sommer aus Oldenburg zum BSV gewechselte Diane Lamein mit zehn Toren die beste Spielerin war, zeigte über weite Teile des Spiels die konzentriertere Leistung.
Dabei begannen die Gäste schwach. Erst nach acht Minuten erzielte die eingewechselte Jana Stapelfeldt das erste BSV-Tor aus dem Feld, doch bereits im Gegenzug war Oldenburgs Kathrin Scholl vom Kreis zum 4:2 zur Stelle. Natalja Parchina aus dem Rückraum (11. Minute), Dagmara Kowalska, die eine blitzsaubere Kombination abschloss und wieder Scholl per Heber (beide 12.) brachten den VfL daraufhin sogar mit 7:3 in Führung. Doch dieses Ergebnis überdeckte die schlechte Verfassung der Oldenburgerinnen an diesem Samstagnachmittag nur. "Eigentlich hätten wir schon 10:3 führen müssen", bewertete VfL-Trainer Leszek Krowicki die vergebenen Chancen der Anfangsphase.
 | | Kathrin Scholl (Nr. 23) und Kim Birke (am Boden) laufen sich in der Abwehr des BSV fest.
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Denn als sich Buxtehude in Angriff und Abwehr organisiert hatte, lief bei Oldenburg nichts mehr zusammen. Pötzsch brachte die gute Natascha Kotenko als Spielmacherin. Die anfangs "leicht übermotivierte" (Pötzsch und Lamein) Lamein rückte dafür neben Susanne Henze an den Kreis. Nun überwanden die Gäste VfL-Torfrau Tatiana Surkova regelmäßiger und hatte auch in der eigenen Abwehr die Vorteile auf ihrer Seite. Bis zum nächsten herausgespielten Oldenburger Treffer vergingen geschlagene 15 Minuten: Kim Birke, die zunächst Anna Badenhop in der Startformation Platz machen musste, verwertete einen Bodenpass Parchinas zum 11:12 (27.). Vorher hatten Parchina per Einzelaktion zum 8:8 (18.) sowie Alexandra Temp zweimal per Siebenmeter getroffen (9:12/24., 10:12, 26.).
Sicherlich hätte der VfL in dieser Phase das Spiel drehen können, doch "Buxtehude war in den entscheidenen Phasen konzentrierter", erkannte Krowicki. Während die Gastgeberinnen im Angriff weiter einfallslos blieben, zog der BSV wieder davon: Beim 15:11 umkurvte Lamein die halbe VfL-Abwehr (29.), Stapelfeldt verwertete einen Konter zum Pausenstand (30.). Wie wirkungslos der VfL im eigenen Angriff war, zeigt auch, dass BSV-Torfrau Debbie Klijn auf gerade drei Paraden bis zum Pausenpfiff kam. Ähnlich wie die eine Woche zuvor in Oldenburg erfolgreichen Leverkusenerinnen (33:25) kaufte Buxtehude dem VfL mit einer aggressiv agierenden, beweglichen Deckung den Schneid ab, zwang den Gegner zu Fehlpässen, Fehlwürfen und zu Zeitspiel.
 | | Wiebke Kethorn (grünes Trikot) zieht an Diane Lamein vorbei.
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Auch nach dem Seitenwechsel kam Oldenburg noch einmal heran. Parchina traf per Heber zum 17:19 (38.) und bediente kurz danach Scholl mit einem Bodenpass vor dem 18:20 (39.). Doch damit hatte der VfL sein Pulver verschossen. Buxtehude ließ sich zudem nicht aus der Ruhe bringen, auch nicht durch Umstellungen beim Gegner, der es zwischenzeitlich mit enger Deckung gegen Lamein und Kotenko versuchte. Weil auch Torhüterin Surkova nach sehr guter erster Halbzeit weniger Bälle anfasste, weil Klijn auf der anderen Seite wichtige Würfe parierte und vor allem, weil der BSV sichtlich Spaß am schnellen und erfolgreichen Spiel hatte, wurde aus dem knappen Rückstand eine hohe Niederlage. Die BSV-Spielerinnen und der mitgereiste Anhang feierte ausgelassen den so nicht erwarteten Sieg. Während Oldenburg nach der zweiten derben Schlappe in Folge vom Höhenflug auf dem Boden der Bundesliga-Realität angekommen ist, reparierte Buxtehude mit zwei Siegen innerhalb von vier Tagen den schlechten Start in die Saison.
Stimmen
Leszek Krowicki, Trainer VfL Oldenburg: Das war ein verdienter Sieg für unseren Gegner. Wir haben zwar begonnen wie gewollt, dann aber plötzlich alles vergessen und zu viele einfache Chancen vergeben. Anschließend haben wir unsere Linie verloren und keinen Rhythmus mehr gefunden. Es wurden zu viele Zweikämpfe verloren. Zudem waren wir im Angriff zu einfallslos und haben zu selten die Außen gesucht. Ich entschuldige mich für diese klare Niederlage. Es kann sein, dass uns die Euphorie über unseren guten Start geblendet hat. In jedem Fall hat uns aber die Konzentration und Konsequenz gefehlt. Unserer jungen, neu zusammen gestellten Mannschaft fehlt offensichtlich noch die Stabilität.
Wolfgang Pötzsch, BSV Buxtehude: Kompliment an die Leistung meiner Mannschaft. Wir haben 50 Minuten den Handball gespielt, der in der Mannschaft steckt und eine aggressive Abwehr und ein richtiges Tempogegenstoßspiel gesehen. Diane Lamein war anfangs übermotiviert, hat später aber ein tolles Spiel am Kreis gemacht. Oldenburg ist aber letztlich genauso gut wie wir und wird sich wieder finden. Ich freue mich riesig über diesen Erfolg, schließlich haben wir uns so die verlorenen Punkte aus dem Blomberg-Spiel zurückgeholt. Dieser Sieg stärkt jetzt unser Selbstvertrauen.
Haege Fagerhus, VfL: Wir haben schnell und gut begonnen, dann lief es wie gegen Leverkusen. In der Abwehr standen wir nur rum und haben die Buxtehuder Angriffe angeschaut, vorne haben wir unsere Möglichkeiten verworfen und nicht die Breite des Spielfeldes genutzt.
Kathrin Scholl, VfL: Ich weiß nicht, ob wir unkonzentriert oder einfach nur nicht gut drauf waren. Aber unserem Spiel fehlte Aggressivität und Aufmerksamkeit ? sowohl im Angriff, als auch in der Abwehr. Wir standen uns heute selber im Weg. Die meisten Tore hat Buxtehude gemacht, weil wir nicht aufgepasst haben.
Tatiana Surkova, VfL: Das war schon das zweite schlechte Spiel in Folge. Am Anfang war alles in Ordnung, aber dann haben wir in der Abwehr einfache Fehler gemacht, Zweikämpfe verloren und insgesamt einfach abgeschaltet.
Diane Lamein, BSV: Ich habe mich sehr auf dieses Spiel gefreut, es ist immer schön nach Oldenburg zurück zu kommen. Aber gegen wen wir heute gewonnen haben, ist eigentlich egal, denn diesen Sieg haben wir ganz dringend für unser Selbstvertrauen gebraucht. Ab Ende der ersten Halbzeit hatten wir richtig Spaß, haben die Lücken ausgespielt und aus jeder Position getroffen. Wir haben gewonnen, weil wir auch in der zweiten Hälfte niemals nachgelassen haben. Wichtig war der taktische Zug, auf zwei Kreisläuferinnen umzustellen.
Natascha Kotenko, BSV: Wir haben heute die Heimniederlage gegen Blomberg kompensiert. Unser großes Plus war die gute Bank, jede kann bei uns jede ersetzen. Unsere gute Abwehr hat uns zum Sieg gebracht, Oldenburg hat den Kampf nicht angenommen.
VfL Oldenburg - Buxtehuder SV 25 : 36 (16:11)
VfL Oldenburg: Surkova (14 Paraden), Renner (ab 45. Minute, 1 P.) - Badenhop, Kowalska (4), Fagerhus (1), Neuendorf, Scholl (3), Parchina (6), Temp (5/4), Birke (3), Kethorn (2), Schmele (1), Gümmer (n.e.), Brecska (n.e.).
Buxtehuder SV: Klijn (12 P.), Tanaka (34. bis 37.) - Lamein (10/3), Henze (6), Schulz (5), Nagel (3), Wode (2), Karsten (2), Stapelfeldt (6), Kotenko (2), Harms (n.e.), Hayn (n.e.).
Siebenmeter: 4/4 - 3/3.
Zeitstrafen: 3 (Kowalska, Fagerhus, Neuendorf) - 6 (je zweimal Karsten und Schulz, einmal Kotenko, Nagel).
Schiedsrichter: Hagen Becker, Axel Hack (Halberstadt)
Zuschauer: 680
Quelle: Ole Rosenbohm / Presse VfL Oldenburg
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