 | | Dagmara Kowalska erzielte insgesamt 10 Tore für den VfL in Braila. Foto: T. Helmerichs.
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VfL Oldenburg feiert Finaleinzug / O.R. / 26.04.2008
29:25 beim HC Dunarea Braila – Wende in der zweiten Halbzeit
Der VfL Oldenburg hat es geschafft! 24 Jahre nach dem letzten Einzug in ein europäisches Finale hat das Team von Trainer Leszek Krowicki das Halbfinale im Challenge Cup überstanden. Beim HC Dunarea Braila siegte der VfL am Samstagvormittag mit 29:25 (12:14). Das Hinspiel in Oldenburg hatte Braila noch mit 31:30 gewonnen. Die Wende in einer zunächst engen Partie kam nach der 40. Minute. Zu dieser Zeit lagen die Gäste mit 16:20 hinten. Fünf Minuten später hatte Oldenburg ausgeglichen, um dann einem sicheren Sieg entgegenzusteuern.
Halle bis auf den letzten Platz gefüllt
2100 Zuschauer in der bis auf den letzten Platz gefüllten Danubius-Halle in Braila produzierten schon vor der Partie eine beeindruckende Atmosphäre. Während der ersten und zu Beginn der zweiten Hälfte stieg der Lärmpegel, der in Deutschland lediglich mit einem Fussballstadium vergleichbar ist, noch an, als sich Braila anschickte, den Heimvorteil zu nutzen. Doch als die niederländischen Schiedsrichter Peter Bol und Edward Willem van Eck die Partie beendeten, hatten die ersten 100 Anhänger den Ort des Geschehens bereits verlassen. Was war passiert?
VfL kommt gut ins Spiel
Der VfL bestimmte die ersten Minuten. Mit Dagmara Kowalska im Angriff für Kathrin Scholl – und damit mit Wiebke Kethorn am Kreis – setzten die Gäste die ersten Akzente. Natalja Parchina traf aus der zweiten Reihe zum 1:0 (3. Minute), dann hielt die heute sehr starke Tatiana Surkova einen Strafwurf gegen Anca Lipan. Kethorn verwertete einen Bodenpass von Kim Birke zum 2:0 (5.), dann traf Haege Fagerhus erstmals von Rechtsaussen (3:1/8.). So variabel präsentierte sich Oldenburg fast während der gesamten 60 Minuten, stand auch in der Abwehr konzentriert und sicher. Nach neun Minuten (2:3) hatte der HC Dunarea bereits drei Stürmerfouls kassiert, die Entscheidungen der Unparteiischen sollte die Bank der Gastgeberinnen aber mehr entsetzen: Jeweils nach Fouls an Kethorn am Kreis, die von Parchina, Neuendorf und Kowalska gut bedient wurde, kassierte Lipan eine Zeitstrafe (15., 18., 23.). Die Folge: Rot für die wichtige Rückraumspielerin schon sieben Minuten vor der Pause. Weil auch Alina Braniste Horje nicht dabei war (Sperre nach Roter Karte im Hinspiel), musste Dunarea nun schon ohne zwei wichtige Spielerinnen auskommen.
10:9 führte Oldenburg zu diesem Zeitpunkt, die intensive Arbeit in der 6-0-Abwehr schien sich mit der Hinausstellung gegen Lipan ausgezahlt zu haben. Doch ausgerechnet jetzt verlor der VfL seine Linie. Gegen die ebenfalls aufmerksame HC-Deckung, hinter der Gabriele Vasile eine ebenso überzeugende Leistung wie im Hinspiel zeigte (10 Paraden allein in der ersten Hälfte), produzierten die Gäste ihre ersten schlechten Angriffe. Fehlpässe, technische Fehler und unkonzentrierte Würfe liessen Braila auf 14:12 zur Pause davonziehen. Auch die Einwechselung Alexandra Temps (23.) für Parchina im Angriff änderte daran zunächst nichts. Kurz vor der Pause räumte Braila die VfL-Deckung ab, die gute Linksaussen Liliana Craciun traf zum 12:12 (27.). Der Jubel der HC-Anhänger wuchs schier zum Orkan, als Regisseurin Elena Moise einen Fehler im Angriff zum 13:12 per Konter nutzte (28.) und besonders, als Craciun den nächsten Gegenstoss zum 14:12 verwandelte.
Braila dreht in der zweiten Halbzeit auf
Die schwächste Phase im VfL-Spiel hielt noch zehn Minuten in der zweiten Halbzeit an. Zwar kam Oldenburg durch Fagerhus von Aussen nach Pass Parchina (32.), durch einen Kethorn-Gegenstoss (nach Balleroberung und Vorlage Scholl/33.) und durch einen Rückraum-Wurf durch Temp (34.) zum 15:14. Doch schnell war Braila auf 18:15 (38.) und sogar 20:16 (40.) davongezogen. Da nutzte es nichts, dass Surkova zwischendurch einen Moise-Konter fantastisch parierte. Besonders die im ersten Durchgang oft unglückliche Halbrechte Janina Luca drehte auf, warf in dieser Phase drei ihrer insgesamt acht Tore.
Doch im Gefühl des sicheren Sieges ließen die Gastgeberinnen auf fast grausame Art in ihrer Durchschlagskraft nach. Surkova, die schon durch Julia Renner ersetzt werden sollte, steigerte sich wieder. Die 19-jährige Renner nahm wieder auf der Bank Platz. Stattdessen kamen Carolin Schmele (17 Jahre) und Anna Badenhop (23) in die Partie. Die Linksaussen traf erstmals per Konter zum 19:20 (44.), bedient von Kethorn. Den nächsten Gegenstoss – diesmal auf der anderen Seite – vergab Ionela Cristea, wieder war Surkova besser. Dafür netzte die 60 Minuten starke Kowalska, die in einem ihrer letzten Spiele für Oldenburg mit ihrer großen internationalen Erfahrung unverzichtbar war, ein: 20:20 (45.). Kowalska war es auch, die nach den Siebenmeter-Fehlwürfen (Fagerhus, Neuendorf, Temp) von der Linie sicher verwandelte und so ihrem Team das 21:21 (46.) sicherte.
Gastgeberinnen brechen ein
Dann brachen die Gastgeberinnen endgültig ein: Neuendorf spazierte durch die Abwehrreihe: 22:21 (49.). Kowalska traf aus der zweiten Reihe: 23:21 (50.). Beim nächsten Angriff der Gastgeberinnen sprang Badenhop in einen Pass von Moise zu Luca, verwandelte den Gegenstoss selbst und sorgte für einen deutlich geringeren Lautstärkepegel in der Halle (53.). Braila hatte zudem auch Pech: Luca traf zunächst den Pfosten, warf im zweiten Versuch vorbei. Auf der anderen Seite bediente Schmele Kreisläuferin Kethorn zum 25:21 – die Entscheidung (54.).
Der Rest war Formsache, bewies aber auch den Willen und die Spielfreude der Oldenburgerinnen. Beim 27:23 (56.) traf Kowalska nach einem Wurf in den Block im Nachwurf, beim 28:23 durch Neuendorf hatten die Schiedsrichter den Arm bereits zum Zeitpunkt gehoben. Das schönste Tor aber gelang Badenhop, die ein Zuspiel von Kowalska zum Kempa-Tor von der Linksaussenposition verwertete.
Oldenburg gewann hochverdient gegen einen in den entscheidenden Phasen unverständlich nervösen Gegner. Braila zeigte nur selten die tolle Spielanlage aus dem Hinspiel. Der VfL hingegen leistete sich nur eine schwächere Zeit Ende der ersten, Anfang der zweiten Hälfte. In Wille, Konzentration, Kondition und Spielanlage war Oldenburg im Endeffekt klar überlegen.
Der VfL wird am morgigen Sonntag gegen 13:35 Uhr auf dem Köln/Bonner Flughafen landen. Man kann davon ausgehen, dass der Mannschaftsbus gegen 18:00 Uhr bei der Araltankstelle an der Alexanderstr. eintreffen wird. Fans und Freunde des VfL werden das Team dort empfangen.
Stimmen
Leszek Krowicki, Trainer VfL: Wir haben ein tolles Spiel vor einem tollen Publikum erlebt. So eine Atmosphäre schätzen und respektieren wir. Das Spiel war von Beginn an sehr ausgeglichen. In der Anfangsphase haben wir es Dunarea nicht erlaubt, davonzuziehen. Als Anca Lipan, eine sehr wichtige Spielerin, Rot sah dachte die Mannschaft, dass wir schon durch sind. Da haben wir die Konzentration verloren. In der Pause haben wir darüber gesprochen, und so in der zweiten Halbzeit sehr konsequente Arbeit geleistet. Wie wir in der zweiten Hälfte den Vorsprung verwaltet haben, ist normalerweise von einer so jungen Mannschaft nicht zu erwarten. Es überwältigt mich, mit welch einer Konzentration meine Spielerinnen in dieser Phase agiert haben. Ich wünsche unserem Gegner für die Zukunft alles Gute. Wir kennen das Gefühl der Niederlage in wichtigen Spielen. Aber so ist der Sport. Mein Kollege Liviu Paraschiv wird mit seiner Mannschaft bald viel Erfolg haben.
Liviu Paraschiv, Trainer Dunarea: Gratulation an Oldenburg. Meine Mannschaft war von drei Englischen Wochen in Folge müde, das hat uns in der wichtigen Phase die Führung gekostet. Fehlende Physis, Kraft und Konzentration haben uns das Finale gekostet. Mitentscheidend war aber auch, dass wir Anca Lipan früh verloren haben. Dann hat uns ja auch noch Alina Braniste Horje gefehlt. Unseren Gästen wünsche ich viel Glück im Finale.
Alexandra Temp, VfL: Tempo, Kondition und auch die stärkere Bank war ausschlaggebend für den Sieg. Braila hat ja kaum gewechselt. Dazu hatten wir heute den stärkeren Willen. Auch diese wahnsinnige Kulisse hat uns zwar beeindruckt, aber nicht beeinflusst. Dieser Sieg ist nach sieben Jahren VfL definitiv mein größter Erfolg, das ist das absolut geilste in meiner Karriere.
Tatiana Surkova, VfL: Nach zehn, 15 Minuten in der zweiten Halbzeit, wusste ich, dass die Mannschaft meine Hilfe braucht, um hier zu bestehen. Ich habe mich dann neu konzentriert, zum Glück hat es geklappt. Wir haben sehr gut gespielt, alle sind glücklich. Letztes Jahr habe ich mit Byasen Trondheim das Finale im EHF-Cup verloren, jetzt wollen wir den Titel.
Kim Birke, VfL: Die Dunarea-Fans haben uns eingeschüchtert, aber die Atmosphäre hat uns auch gepuscht. Ich habe immer daran geglaubt, dass wir hier gewinnen. Nach der Roten Karte gegen Lipan aber waren wir uns zu sicher.
HC Dunarea Braila - VfL Oldenburg 25 : 29 (14 : 12)
HC Dunarea Braila: Vasile (17/3 Paraden), Pelin (bei zwei Siebenmetern) - Cristea (3), Tomuleanu (2), Chitacu, Luca (8), Radovici (1), Ruscior, Cratiun (4), Daniela Braniste, Moise (7), Lipan, Bodarlau, Derehoiu.
VfL Oldenburg: Surkova (14/1 Paraden), Renner (bei einem Siebenmeter) - Birke (2), Kowalska (10/1), Fagerhus (4/2), Neuendorf (3), Scholl, Parchina (2), Kethorn (4), Wenzl (n.e.), Schmele, Temp (1), Badenhop (3), Gümmer (n.e.).
Siebenmeter: 6/4 (5. Minute: Surkova haelt gegen Lipan, 58.: Moise wirft vorbei) - 6/3 (20.: Fagerhus trifft den Aussenpfosten, 24.: Vasile haelt gegen Fagerhus, 30.: Vasile haelt gegen Neuendorf ).
Zeitstrafen: 5 (Ruscior, 30.; Moise, 47.; Lipan 15., 18., 23.) - 5 (Fagerhus, 26.; Kethorn, 44.; Neuendorf 34.; Parchina 54.; Scholl 28. und 50.).
Rote Karte: Lipan (23., wegen dritter Zeitstrafe).
Spielverlauf: 1:3 (8.), 4:4 (11.), 5:7 (13.), 7:9 (16.), 8:10 (19.), 11:11 (26.), 14:12 (Halbzeitpause), 14:15 (33.), 18:15 (38.), 20:16 (40.), 20:20 (45.), 21:24 (51.), 23:27 (56.), 25:29 (Endstand).
Schiedsrichter: Peter Bol, Edward Willem van Eck (Niederlande).
Zuschauer : 2100 (ausverkauft).
Ole Rosenbohm / Presse VfL Oldenburg
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